Castello Murat

Geschichte Die Burg “Castello Murat” wurde in zwei unterschiedlichen historischen Zeiten errichtet. Zu allererst entstand der große Aussichtsturm mit dem Namen “Torre Mastia” gegen Ende des 13. Jahrhunderts. 100 Jahre später verwendete der König von Aragon Ferdinand I. die bisherig bestehenden Strukturen der Burg, um sein Land vor dem weit verbreiteten feindlichen Einfall der Sarazenen (Islamische Völker, die ab etwa 700 n. Chr. in den Mittelmeerraum eindrangen und meist der Piraterie nachgingen) in den südlichen Gewässern zu schützen und deren Ausweitung zu unterbinden. Durch die Verordnung vom 12. November 1480 verfügt Ferdinand I. über Kalabrien, die Festung von Reggio und die Bauten der Burgen in Krotone, Cariati, Corigliano, Belvedere und auch Pizzo. Später wurde die solide rechtwinklige Grundstruktur und ein weiterer etwas kleinerer kegelförmiger Turm der Burg hinzugefügt. Die Arbeiten begannen 1481 und dauerten vier Jahre. Die Festung erhielt zunächst den Namen Castello Aragonese. Mit der Fertigstellung verfügte die Burg über eigene Schusswaffen, Artillerie und Soldaten, die unter dem Kommando eines Offiziers standen. Die Burg war nie eine edle Residenz, sondern wurde als militärische Festung und Gefängnis genutzt. Die Beschreibung der Burg Die Gesamtheit der Burg existiert in ihrer originalen Beschaffenheit. Der Flur der Burg ist vierseitig und ähnelt einem Trapez. Der Eingang diente früher als Zugbrücke, worüber ein gepflasterter Gehweg führt. Über dem Haupteingang ist eine Denkmaltafel angebracht, welche an Joachim Murat erinnert. Joachim Murat, seiner Zeit König von Neapel und Schwager von Napoleon, wurde in dieser Burg inhaftiert und zum Tode verurteilt. Man bezeichnet ihn als den bekanntesten Häftling des Gefängnisses. Nach seiner kurzen Haftzeit wurde er am 13. Oktober 1815 mittels eines Exekutionskommandos erschossen und anschließend in der Kirche von St. Georg begraben. Später wurde die Burg skurriler Weise nach ihm benannt und trägt somit bis heute den Namen „Castello Murat“. Die Festung wurde durch ein Erdbeben 1783 teilweise zerstört. Besonders die unteren Kammern haben dabei Schaden genommen. Sie wurden 1790 wieder hergestellt. Einige der Strukturen sind verloren gegangen, aber der Großteil der Beschaffenheit der Burg blieb erhalten. Die Festung besteht aus einen unterem und einem oberen Stockwerk. Unter dem Erdgeschoss befinden sich unterirdische Gänge, welche für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Sie führen raus aus der Stadt bis kurz vor Vibo Valentia und in Richtung des Sees Angitola. Innerhalb der Burg bestaunt man die historischen Rekonstruktionen durch Puppen, welche typische Kostüme tragen. Sie zeigen die letzten Tage im Leben des Joachim Murat. Im Keller führt ein enger und langer Korridor zu den Zellen, in denen Murat und einige seiner Soldaten festgehalten wurden. In dieser Zelle verbrachte er die letzten Momente seines Lebens und hier verfasste er auch seinen Abschiedsbrief an seine Frau Carolina und seine vier Kinder. Von der Terrasse der Burg hat man eine wunderschöne Aussicht auf den Golf von St. Eufemia, den aktiven Vulkan Stromboli sowie auf den Platz „Piazza della Repubblica“. Am 8. Oktober des Jahres 1815 ankerte eine kleine Flotte von drei Schiffen nahe der Küste Pizzos. Eines dieser Schiffe mit einer Besatzung von 31 Mann an Bord näherte sich der Küste. Drei Männer standen am Bug des Schiffs: Der erste Mann war Joachim Murat, König von Neapel. Die anderen waren der General Franceschetti und sein Berater Campana. König Joachim Murat war der stolze Schwager von Napoleon und trug eine elegante blaue Jacke mit Goldstickereien auf dem Kragen, auf der Brust und an den Taschen. Rote Hosen, Stiefel mit Sporen, ein mit Pistolen behangener Gürtel und ein Hut mit Federn – so präsentierte sich Murat, als er in Pizzo eintraf. An seinem Ärmel hing die königliche Flagge. Er war gekommen, um Anhänger um sich zu versammeln. Murat wollte den Thron wieder zurückerobern, welcher ihm von den Bourbonen genommen wurde. Als er ankam, marschierte Murat als Anführer seiner kleinen Armee in die Altstadt Pizzos. Es war zehn Uhr als er die Piazza betrat. Die Einwohner schauten die Neuankömmlinge mit Ehrfurcht und Erstaunen an. Besonders der adrett gekleidete Murat wurde bewundernd angesehen. Zunächst blieb er unerkannt, obwohl er bereits fünf Jahre zuvor in der Stadt gewesen war, als er noch regierender König war. Er sprach direkt zu den Einheimischen und fragte sie „Erkennt ihr euren König?“. Sein Aufruf zur skeptischen zurückhaltenden Menge stieß auf taube Ohren und fast alle von ihnen liefen fort. General Franceschetti riet Murat zum Schiff zurückzukehren, nachdem er die Menschen gesehen hatte. Aber Murat weigerte sich und sagte: „Es ist zu spät! Die Würfel sind gefallen! Mein Schicksal soll in Monteleone besiegelt werden.“